Human Branding

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      26. August 2010 13:07

      Jon Christoph Berndt®: So sind nicht viele – starke Marken bekennen sich immer, Christoph Schlingensief!

      Wer den Mund aufmacht und was zu sagen hat, der darf das: „Tötet Helmut Kohl“ auf der Documenta rufen, Konzentrationslager „von Nord nach Süd“ ordnen lassen (schöner Lebensrückspiegel von Schlingensief im Stern), ein Buch über seinen Krebs schreiben und sich dafür sauber kritisieren lassen. Kunst ist das, und der Mann ist auch große Kunst. Seit Samstag ist er nicht mehr da, aber vieles bleibt.

      http://www.myonid.de/files/activity_stream/uploads/file/63/2/schlingensief.jpg

      Wer den Mund aufmacht und was zu sagen hat, stellt sich immer nach vorn und vor die Schwachen. Er steht zu dem, was er sagt. Und er meint es vor allen Dingen auch so. Christoph Schlingensief war bis zum Schluss ein Mensch mit Höhen und Tiefen, mit handfesten Skandalen fürs Grobe und ganz viel Skandälchen für die Medien-Häppchen und, am wichtigsten – mit ganz vielen Facetten, aber nur einem Gesicht. Er war jemand, der immer bezahlt hat für die Party, die er schmiss. Mit seinem guten Namen, seiner Reputation manchmal, zum Schluss vielleicht sogar mit dem Leben. Immer geradlinig, eckig und kantig; zu stark, um schwach zu sein. Eine echte, redliche Marken-Persönlichkeit. Da können sich die aus den Medien (ok, bis auf Alice Schwarzer), aus der Politik (ok, bis auf Frank-Walter Steinmeier), aus der Wirtschaft (ok, bis auf Frieder Löhrer, der sogar freiwillig ging bei Loewe, weil die Zahlen so schlecht sind) eine dicke Scheibe abschneiden. Und es darf auch gern ein bisschen mehr sein.

      Dagegen der Marken-Pöbel: macht auch den Mund auf, hat aber nichts zu sagen. Versteckt sich hinter der dicken Fassade von „andyha81“ und „vielnick“ und sondert Scheißhausparolen ab, da ist die große Marke Schlingensief noch nicht mal kalt. „De mortuis nil nisi bene“ zählt schon im echten Leben nichts und im Internet gar nichts:

      • „Kein Verlust für die Kunstwelt das war eh nur ein armer Spinner!“ (bild.de hat das gelöscht, und das will was heißen)
      • „Schlingensief lebt weiter – als Lady Gaga“ (ebenfalls gelöscht)
      • Das sollte genügen (mehr davon tausendfach im Netz)

      Das sind die schlappen Märkchen, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben. Es wird wohl auch nichts mehr mit denen: Wer sich derart verstecken muss, hat nichts begriffen und noch weniger zu sagen. So weit reicht die Demokratie im Netz, dass sich Schandmäulern und verbalen Leichenfledderern ebenfalls ein Forum auftut. Nun, es hat uns niemand versprochen, dass es fair und wertschätzend zugeht auf der Welt; offline genauso wenig wie online.

      Was hat Christoph Schlingensief richtig gemacht?

      • Er hatte eine klare Meinung und stand zu ihr. Immer.
      • Er hat die Regel Nr. 1 verstanden und beherzigt. Wer sich exponiert, darf bei Gegenwind kein Klappmichel sein.
      • Er hat mit den Menschen gespielt, sie aber nicht benutzt. Das ist der kleine, so feine Unterschied.

      Human Branding Lesson Learned #10

      Überlege Dir, ob Du etwas zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen möchtest. Falls ja, was kann das sein? Entwickele Deine in der Wolle gefärbte, zu Dir wie Dein Gesicht passende Haltung. Besetze die sich auftuende Nische konsequent. Habe Freude an dem, was Du sagst und auch tust; falls sie ausbleibt, lasse es bleiben. Verstecke Dich niemals hinter den dicken Mauern im Netz, verwende niemals einen Nickname oder ein Pseudonym. Weise Mitmenschen zurecht, die das tun und so das klassenlose Medium Internet für ihre niederen Zwecke missbrauchen.

      Stay tuned!

      Schlagworte: Christoph Schlingensief, Human Branding, Diskurs
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